Home
für Schüler
für Eltern
für Lehrer
über uns
Preise
Referenzen
Forum

 

Der Mathe-Dschungelführer. So verständlich kann Mathe sein!

 

Der Mathe-Dschungelführer. Das Nachhilfebuch von Abi-Coach Thomas Kusserow.

Das Gleichnis von der Giraffe und der Maus

 

Wie du deine Zeit in den Matheklausuren strategisch richtig einteilst

 

Für mich als Nachhilfelehrer ist es immer wieder überraschend, dass ausgerechnet die Schülerinnen und Schüler, die ohnehin keine großen Leuchten in der Mathematik sind, auch noch in der Zeiteinteilung bei der Klausur katastrophale Fehler machen.

 

Hey, wir waren alle mal jung und hatten bessere Dinge als Mathe-Hausaufgaben zu tun. Aber Leute, wenn Ihr schon mit minimalen Kenntnissen in die Prüfung gehen wollt, dann nehmt doch bitteschön wenigstens die Punkte mit, die für Euch bestimmt sind. Um das zu verdeutlichen, erzähle ich all meinen Schüler am Anfang immer das Gleichnis von der Giraffe und der Maus. 

 

In der Arikanischen Kalahari-Steppe ist das Leben sehr schwer. Es ist heiß, es gibt wenig Trinkwasser und wenig Nahrung. Oft wandert man durch diese karge Landschaft mehrere Kilometer, bis man endlich wieder auf einen Baum trifft, der etwas Schatten und Nahrung bietet. Um einen solchen Baum geht es auch in dieser Geschichte. Mitten in der Steppe erhebt sich ein solcher großer Baum, an dessen Zweigen saftige reife Früchte hängen. Alle Tiere dieser Gegend versammeln sich dort regelmäßig zum Fressen.

Nun lassen sich bei den Tieren ganz unterschiedliche Überlebensstrategien erkennen, die Ihnen die Natur gegeben hat. Die beiden Extreme, die Giraffe und die Maus, sollen hier näher betrachtet werden. Da ist zunächst die Giraffe. Sie ist ein großes, stattliches Tier. Ihr langer Hals und ihre riesige Zunge ermöglichen es ihr, auch noch die Früchte an den höchsten Ästen des Baumes zu erreichen. Mit unreifen Früchten, die noch sauer schmecken, oder mit den überreifen Früchten, die schon zermatscht am Boden liegen, braucht sie sich nicht zu plagen. Souverän holt sie sich die besten Stücke vom Baum, lutscht diese und spuckt genussvoll den Kern zu Boden.

Allerdings zahlt die Giraffe für diese Perfektion biologisch gesehen einen hohen Preis. Ihr Herz ist im Vergleich zur Körpergröße gigantisch. Die riesigen Herz- und Halsmuskeln müssen ständig mit Sauerstoff und Nahrung versorgt werden, damit dieses aufwändige System funktioniert und das Blut auch noch im hoch gelegenen Kopf ankommt. Deswegen muss sie auch fast den ganzen Tag lang Früchte fressen.

Ganz im Gegensatz dazu steht die kleine Maus. Die Maus kann nicht klettern. Okay – an alle, die in Biologie etwas anderes gelernt haben: Haltet Euch bitte jetzt mit Eurem Widerspruch zurück – denn sonst funktioniert dieses Gleichnis nicht! Also, die afrikanische Maus in der Kalahari-Steppe kann NICHT klettern. Deshalb muss sie unter dem Baum nach den Früchten suchen, die schon am Boden liegen. Viele davon sind schon halb verfault, matschig, angebissen oder zertreten. Doch die Maus hat Hunger. Sie muss nun versuchen, die noch verwertbaren Stellen an diesen Früchten abzuknabbern und dabei um die schlechten Stellen herum zu essen. Verängstigt und hungrig sucht sie den Boden ab. Dabei muss sie auch noch aufpassen, nicht von den größeren Tieren zertreten zu werden. Wenn sie das aber geschickt genug macht, kann auch sie überleben und die Erhaltung ihrer Art sichern.

Biologisch gesehen hat sie dabei durchaus gute Überlebens-Chancen. Denn sie braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Alles an ihr ist ziemlich klein, deshalb reicht ihr wenig Nahrung aus. Außerdem sind Mäuse sehr flexibel und haben biologisch gesehen gelernt, mit knapper und minderwertiger Nahrung gut auszukommen.

Allerdings ist es für beide Tiere sehr wichtig, dass sie nach ihrer eigenen Strategie vorgehen. Die Giraffe würde unter ihren Möglichkeiten bleiben, wenn sie nur die Früchte vom Boden aufsammeln würde, und würde wahrscheinlich verhungern oder Bauchweh bekommen. Die Maus wiederum sollte sich auf die Früchte am Boden konzentrieren. Wenn sie wild umher hüpft, um vielleicht doch noch von einer perfekten Frucht an einem Ast etwas abzubekommen, vergeudet sie nur unnötig ihre Kraft und Zeit. Zu aller erst sollte sie die Früchte am Boden gründlich nach etwas Verwertbarem durchsuchen.

Interpretation des Gleichnisses

Was hat diese Geschichte nun mit deiner Matheklausur zu tun? Nun ja, es gibt auch unter den Schülern so etwas wie Giraffen und Mäuse. Und jede Klausur stellt so etwas wie unseren Baum in der Steppe dar. Da gibt es Punkte, die sollten für jedermann zu holen sein – wie die Früchte am Boden. Lehrer bezeichnen diese Aufgabenteile gern als „Reproduktionsaufgaben“. Das bedeutet, alles was man tun muss, ist es, auswendig gelerntes Wissen, z.B. Formeln, hinzuschreiben. Oder eine einfache Aufgabe so auszurechnen, dass nach wenigen ganz einfachen Rechenschritten das Ergebnis steht.

Und hier versuchen die Mäuse unter den Schülern leider viel zu oft, die Giraffentaktik anzuwenden. Die schwächeren Schüler vergeigen regelmäßig im vermeintlichen Zeitdruck solche Geschenke, die Ihnen der Lehrer macht, und die ihnen bei gründlicher Betrachtung in der Endabrechnung vielleicht noch die Note ausreichend gebracht hätten. Ganz konkret sind die Fehler folgende:

- Es wird zu wenig Zeit für die einfachen Aufgaben verwendet. In der Hektik begeht der Schüler bei diesen Stellen dumme Fehler, die sogar noch unter seinem niedrigen Niveau liegen. Leute, wenn ihr schlecht vorbereitet seid, dann müsst ihr die Klausur erst recht locker sehen. Ihr könnt heute eh nix reißen, aber nehmt wenigstens die einfachen Punkte mit, die Mäuse-Nahrung! Hektik ist unangebracht, Ihr werdet für die Aufgaben, die für Euch bestimmt sind, also die Früchte am Boden, genug Zeit haben – denn wahrscheinlich braucht ihr einen Großteil der Klausur gar nicht anzufangen.

- Zum richtigen Punkteholen a la Mäusetaktik gehört z.B., dass man die gegebenen und gesuchten Größen hinschreibt. Oder dass man eine bekannte Formel beim Ansatz schon einmal hinschreibt - und zwar erst einmal so, wie sie in der Formelsammlung steht. Allein dafür gibt es oft schon mehrere Punkte.

- Weiterhin gehört zur Mäusetaktik, dass man mit den Rechnungen SORGFÄLTIG ist. Am besten alles doppelt absichern und jede Zeile noch einmal hinterfragen! Jede Frucht muss einzeln umgedreht und begutachtet werden! Ansonsten schleichen sich Vorzeichenfehler und Fehler beim Ein- und Ausklammern in die Arbeit, die Euch am Ende echt teuer zu stehen kommen. Holt die Punkte, die der Lehrer für Euch ganz alleine ausgelegt hat, auch wenn die Giraffen in Eurer Klasse (die Streber und Mathe-Genies) darüber vielleicht lachen und schon an der Bonusaufgabe arbeiten. Diese Schüler würden sich über die Note ausreichend nicht freuen, deshalb müssen sie mehr Klausurteile bearbeiten.

- Wenn Ihr (kleinen armen Mäuse) Euren Hals nach den richtig saftigen Stücken hoch oben im Baum reckt, dann müsst Ihr eine Giraffe sein – also eine vernünftige Vorbereitung für die Mathearbeit geleistet haben. Der Mäusehals ist zu kurz, es bringt nichts außer Zeitverschwendung, wenn ihr Eure Klausurzeit für die Transferaufgaben verwendet, um dort auf einen Zufallstreffer zu hoffen.

 

In der Mathematik gibt es nur wenig Raum zwischen Können und Nicht-Können. Das schlechte Gefühl, das die Mäuse unter den Schülern bei der Nahrungsaufnahme plagt, sollten sie als Anlass nehmen, um rechtzeitig ihre Halsmuskeln und ihr Herz zu trainieren - dann werden sie eines Tages auch ein paar von den reifen saftigen Früchten erreichen!
 

 

Impressum      -     Kontakt     -     © www.der-abi-coach.de